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16.10.2019, 10:05 Uhr
Viele Bauchschmerzen, aber noch mehr Hoffnung
 In seiner Rede zum möglich Hessentag 2023 bringt der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende seine Skepsis und Bauchschmerzen bei diesem Thema zum Ausdruck. Gleichzeit erläutert er aber auch eindrücklich, warum er trotzdem für eine Bewerbung für den Hessentag ist und was er sich davon erhofft!
Lesen Sie hier seine Rede aus der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung:
Stell. Fraktionsvorsitzender Maximilian Schimmel

Sehr geehrte Damen und Herren, Herr Stadtverordnetenvorsteher,

„Der Hessentag in Pfungstadt!“ – eine Schlagzeile, die ich mir bis vor wenigen Monaten nicht mal im Ansatz hätte vorstellen können. Der Hessentag also, ein riesiges Landesfest in unserer Stadt? Eine Vorstellung, bei der sicher nicht jeder im ersten Moment jubelnd aufgesprungen ist. Auch ich, und das gebe ich gerne und offen zu, bin von Anfang an einer der großen Skeptiker bei diesem Thema.

Nach einem langen Diskussionsprozess stehen wir nun aber hier und haben die Entscheidung zu treffen, ob der Hessentag 2023 hier in Pfungstadt stattfindet oder nicht. Denn, seien wir ehrlich, auch wenn es zuvorderst nur um die Bewerbung geht: wenn wir heute zustimmen, wird der Hessentag hier stattfinden. Einen Rückzug der Bewerbung und damit ein Scheitern unserer Stadt wird sich dann niemand eingestehen wollen – außerdem hoffe ich natürlich, dass es dazu nicht kommen muss.

Aus diesem Grund ist für mich die heutige Entscheidung auch eine der größten für dieses Parlament in den letzten Jahren. Die mögliche Ausrichtung eines Hessentages wäre ein Mammutprojekt, welches unsere Verwaltung, alle Gremien, die Verein, die Landwirte – ja die ganze Stadt – bis dahin stark beschäftigen wird. Und da diese Abstimmung heute so weitreichend und entscheidend für die Zukunft unserer Stadt ist, habe ich es mir nicht leicht gemacht, mein Abstimmungsverhalten zu bestimmen. Eigentlich wollte ich Ende letzter Woche mein Verhalten festlegen, aber irgendwie hat das Thema mir gestern nochmal eine schlaflose Nacht beschert.

Ich mache mir über diese Entscheidung so viele Gedanken, weil ich all die Risiken und Probleme für unsere Stadt sehe. Und dabei meine ich nicht mal die Finanzen, die ein eigenes Thema sind und genauestens überwacht werden müssen.

Vielmehr meine ich vieles anderes. Angefangen bei der Verwaltung: ein großer Teil der Verwaltung wird mit der Vorbereitung des Hessentages beschäftigt sein. Ob da die Vorfreude auf eine Menge Überstunden da ist und nicht im Gegenzug viel der täglichen Arbeit liegen bleibt, das weiß ich nicht. Eine Gefahr der Überforderung besteht hier!

Dazu habe ich Angst, ob unsere Stadtspitze die richtige Herangehensweise an das Thema findet. Ein schönes Beispiel gab es ja schon: da wurde der Hessentagsbeauftragte der Stadt nicht mal zu einem Gespräch mit den Landwirten zugezogen. Und im Nachgang dieses Gesprächs wurde dann anders als vereinbart mit den Landwirten nicht weiter verhandelt, ob diese ihr Land hergeben. Wir wissen also Stand jetzt gar nicht, ob uns die benötigte Fläche überhaupt zur Verfügung steht. Ich plane ja auch kein Haus, ohne zu wissen, ob es ein potentielles Grundstück für mich gibt… Das Thema Unwissenheit geht weiter über den Verkehr, den ÖPNV und einige andere Themen.

Weiterhin finde ich es sehr schade und befremdlich, dass im Vorfeld einer solchen großen und wichtigen Entscheidung nicht einmal eine Bürgerversammlung zu dem Thema gemacht wurde. Viele Bürgerinnen und Bürger sind vor allem einfach nur unsicher, weil sie zu wenig Informationen erhalten haben. Sogar ganze Vereine haben Angst um ihre Flächen, weil niemand mit ihnen gesprochen hat. Diese Intransparenz kann und darf so nicht weitergehen, wenn wir diesen Hessentag erfolgreich bei uns durchführen wollen!

Weiterhin war es mir persönlich besonders wichtig, dass ein Hessentag nicht nur zehn Tage Party wird, sondern unsere Stadt nachhaltig verändert und besser macht. Dies erhoffe ich mir vor allem von den möglichen Investitionen in die Infrastruktur unserer Stadt. Pfungstadt soll schöner, besser und zukunftsträchtiger durch einen Hessentag werden. Leider haben wir hier auch außer ein paar Absichtserklärungen von ein paar Fraktionen nichts wirklich Greifbares vorliegen.

Ich könnte noch ein paar weitere Minuten über die Risiken eines Hessentages referieren. Es sind unglaublich viele Themen bei einer solchen Veranstaltung zu bewältigen und genau DAS ist es, was mir hier so große Sorgen macht.

Trotz alle dem, und das wird jetzt den ein oder anderen überraschen, habe ich mich heute Mittag dazu entschlossen, für diesen Hessentag zu stimmen. Letztendlich war es zwei Aussagen von der Podiumsdiskussion unserer Fraktion am letzten Mittwoch. Und die kam von keinem der Personen auf dem Podium, sondern von Bürgern unserer Stadt.

Die erste war „Lasst uns doch einfach mal Mut haben und unsere Stadt voranbringen!“. Einfach, simpel, aber ziemlich auf den Punkt. Ich wollte und will mich nie zu denen zählen, die nicht mal etwas wagen wollen und einfach mal etwas machen, bevor es zerredet wird.

Die zweite Aussage hat mich dagegen deutlich mehr zum Überlegen gebracht. Sie lautete „Wir in Pfungstadt sind doch eine Vereins- und Gesellschaftsstadt!“. Eine Aussage, in der der Kommunalpolitiker, wie wahrscheinlich jeder hier, sofort „Hurra und Halleluja“ gerufen hat. Eine Aussage, über die ich beim Nachdenken aber auch gestolpert bin. Natürlich haben wir hier tolle Vereine und viele Menschen, die sich für die Gesellschaft engagieren. Aber ist es wirklich so, dass in Pfungstadt allumfassend und super viel darüber hinaus durch die Stadtgesellschaft gemacht wird? Das unsere Gemeinschaftsfeste allesamt ehrenamtlich ausgerichtet werden und alle Einwohnerinnen und Einwohner stolz auf diese Stadt sind? Oder werden wir immer mehr zu einer Schlafstadt mit wenig Bezug zu unserer Heimat? In diesem Zusammenhang sei an die Kerb und die Anzahl der darauf vertretenen Vereine erinnert…

Das sind Aussagen, die der Kommunalpolitiker in mir niemals treffen wollte. Aber diese Fragen haben bei mir einen vor allem einen Impuls ausgelöst: ich will dahin zurück! Ich will, dass alle Einwohnerinnen und Einwohner stolz auf Pfungstadt sind. Ich will, dass die Stadtgesellschaft zusammenhält und sich einsetzt. Ich will, dass alle zusammen an einem Strang ziehen und diese Stadt besser machen. Und ich glaube, dass ein großes Fest wie der Landestag genau das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bewohner dieser Stadt auslösen kann. Mit einem Hessentag kann ein Ruck durch Pfungstadt gehen. Und ich bin überzeugt, dass wir diesen Ruck dringend benötigen.

Und daher werde ich mich heute trotz unglaublicher Bauchschmerzen für die Bewerbung zum Hessentag 2023 aussprechen.

Herzlichen Dank!

Maximilian Schimmel

Sehr geehrte Damen und Herren, Herr Stadtverordnetenvorsteher,

 

„Der Hessentag in Pfungstadt!“ – eine Schlagzeile, die ich mir bis vor wenigen Monaten nicht mal im Ansatz hätte vorstellen können. Der Hessentag also, ein riesiges Landesfest in unserer Stadt? Eine Vorstellung, bei der sicher nicht jeder im ersten Moment jubelnd aufgesprungen ist. Auch ich, und das gebe ich gerne und offen zu, bin von Anfang an einer der großen Skeptiker bei diesem Thema.

 

Nach einem langen Diskussionsprozess stehen wir nun aber hier und haben die Entscheidung zu treffen, ob der Hessentag 2023 hier in Pfungstadt stattfindet oder nicht. Denn, seien wir ehrlich, auch wenn es zuvorderst nur um die Bewerbung geht: wenn wir heute zustimmen, wird der Hessentag hier stattfinden. Einen Rückzug der Bewerbung und damit ein Scheitern unserer Stadt wird sich dann niemand eingestehen wollen – außerdem hoffe ich natürlich, dass es dazu nicht kommen muss.

 

Aus diesem Grund ist für mich die heutige Entscheidung auch eine der größten für dieses Parlament in den letzten Jahren. Die mögliche Ausrichtung eines Hessentages wäre ein Mammutprojekt, welches unsere Verwaltung, alle Gremien, die Verein, die Landwirte – ja die ganze Stadt – bis dahin stark beschäftigen wird. Und da diese Abstimmung heute so weitreichend und entscheidend für die Zukunft unserer Stadt ist, habe ich es mir nicht leicht gemacht, mein Abstimmungsverhalten zu bestimmen. Eigentlich wollte ich Ende letzter Woche mein Verhalten festlegen, aber irgendwie hat das Thema mir gestern nochmal eine schlaflose Nacht beschert.

 

Ich mache mir über diese Entscheidung so viele Gedanken, weil ich all die Risiken und Probleme für unsere Stadt sehe. Und dabei meine ich nicht mal die Finanzen, die ein eigenes Thema sind und genauestens überwacht werden müssen.

 

Vielmehr meine ich vieles anderes. Angefangen bei der Verwaltung: ein großer Teil der Verwaltung wird mit der Vorbereitung des Hessentages beschäftigt sein. Ob da die Vorfreude auf eine Menge Überstunden da ist und nicht im Gegenzug viel der täglichen Arbeit liegen bleibt, das weiß ich nicht. Eine Gefahr der Überforderung besteht hier!

 

Dazu habe ich Angst, ob unsere Stadtspitze die richtige Herangehensweise an das Thema findet. Ein schönes Beispiel gab es ja schon: da wurde der Hessentagsbeauftragte der Stadt nicht mal zu einem Gespräch mit den Landwirten zugezogen. Und im Nachgang dieses Gesprächs wurde dann anders als vereinbart mit den Landwirten nicht weiter verhandelt, ob diese ihr Land hergeben. Wir wissen also Stand jetzt gar nicht, ob uns die benötigte Fläche überhaupt zur Verfügung steht. Ich plane ja auch kein Haus, ohne zu wissen, ob es ein potentielles Grundstück für mich gibt… Das Thema Unwissenheit geht weiter über den Verkehr, den ÖPNV und einige andere Themen.

 

Weiterhin finde ich es sehr schade und befremdlich, dass im Vorfeld einer solchen großen und wichtigen Entscheidung nicht einmal eine Bürgerversammlung zu dem Thema gemacht wurde. Viele Bürgerinnen und Bürger sind vor allem einfach nur unsicher, weil sie zu wenig Informationen erhalten haben. Sogar ganze Vereine haben Angst um ihre Flächen, weil niemand mit ihnen gesprochen hat. Diese Intransparenz kann und darf so nicht weitergehen, wenn wir diesen Hessentag erfolgreich bei uns durchführen wollen!

 

Weiterhin war es mir persönlich besonders wichtig, dass ein Hessentag nicht nur zehn Tage Party wird, sondern unsere Stadt nachhaltig verändert und besser macht. Dies erhoffe ich mir vor allem von den möglichen Investitionen in die Infrastruktur unserer Stadt. Pfungstadt soll schöner, besser und zukunftsträchtiger durch einen Hessentag werden. Leider haben wir hier auch außer ein paar Absichtserklärungen von ein paar Fraktionen nichts wirklich Greifbares vorliegen.

 

Ich könnte noch ein paar weitere Minuten über die Risiken eines Hessentages referieren. Es sind unglaublich viele Themen bei einer solchen Veranstaltung zu bewältigen und genau DAS ist es, was mir hier so große Sorgen macht.

 

Trotz alle dem, und das wird jetzt den ein oder anderen überraschen, habe ich mich heute Mittag dazu entschlossen, für diesen Hessentag zu stimmen. Letztendlich war es zwei Aussagen von der Podiumsdiskussion unserer Fraktion am letzten Mittwoch. Und die kam von keinem der Personen auf dem Podium, sondern von Bürgern unserer Stadt.

 

Die erste war „Lasst uns doch einfach mal Mut haben und unsere Stadt voranbringen!“. Einfach, simpel, aber ziemlich auf den Punkt. Ich wollte und will mich nie zu denen zählen, die nicht mal etwas wagen wollen und einfach mal etwas machen, bevor es zerredet wird.

 

Die zweite Aussage hat mich dagegen deutlich mehr zum Überlegen gebracht. Sie lautete „Wir in Pfungstadt sind doch eine Vereins- und Gesellschaftsstadt!“. Eine Aussage, in der der Kommunalpolitiker, wie wahrscheinlich jeder hier, sofort „Hurra und Halleluja“ gerufen hat. Eine Aussage, über die ich beim Nachdenken aber auch gestolpert bin. Natürlich haben wir hier tolle Vereine und viele Menschen, die sich für die Gesellschaft engagieren. Aber ist es wirklich so, dass in Pfungstadt allumfassend und super viel darüber hinaus durch die Stadtgesellschaft gemacht wird? Das unsere Gemeinschaftsfeste allesamt ehrenamtlich ausgerichtet werden und alle Einwohnerinnen und Einwohner stolz auf diese Stadt sind? Oder werden wir immer mehr zu einer Schlafstadt mit wenig Bezug zu unserer Heimat? In diesem Zusammenhang sei an die Kerb und die Anzahl der darauf vertretenen Vereine erinnert…

 

Das sind Aussagen, die der Kommunalpolitiker in mir niemals treffen wollte. Aber diese Fragen haben bei mir einen vor allem einen Impuls ausgelöst: ich will dahin zurück! Ich will, dass alle Einwohnerinnen und Einwohner stolz auf Pfungstadt sind. Ich will, dass die Stadtgesellschaft zusammenhält und sich einsetzt. Ich will, dass alle zusammen an einem Strang ziehen und diese Stadt besser machen. Und ich glaube, dass ein großes Fest wie der Landestag genau das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bewohner dieser Stadt auslösen kann. Mit einem Hessentag kann ein Ruck durch Pfungstadt gehen. Und ich bin überzeugt, dass wir diesen Ruck dringend benötigen.

 

Und daher werde ich mich heute trotz unglaublicher Bauchschmerzen für die Bewerbung zum Hessentag 2023 aussprechen.

 

Herzlichen Dank!

 

Maximilian Schimmel